Prognose Weltklimarat und die Öffnung der Alten Süderelbe

Wenn über die Öffnung der Alten Süderelbe geredet wird, dann stehen Themen wie die Verschlickung und die ökologische Verbesserung der Tideelbe ganz oben auf der Argumentationsliste der Befürworter. Auch über Naturschutz wird viel gesprochen – allerdings nicht zum Nutzen der Alten Süderelbe.

Das Thema Hochwasserschutz ist dagegen nachgeordnet. Eher wie bei einem Haus, dass neu gebaut wird und schön aussehen soll. Schließlich ist ja klar, dass dafür Steine benötigt werden. Genauso benötigt man an der Alten Süderelbe – zumal bei einer Öffnung bei vollem Tidenhub – eben einen Hochwasserschutz. Wie der allerdings aussehen kann, ist noch zu prüfen. Spundwände vielleicht?

Und dann ist da auch noch das Problem der Gräben, die Finkenwerder Be- und Entwässern. Vorausgesetzt, die Alte Süderelbe wird bei einer Öffnung bei vollem Tidenhub tatsächlich zum Hochsicherheitstrakt umgebaut und nichts läuft über – es läuft eben auch nichts mehr raus. Soll heißen: Wenn eine Sturmflut die Alte Süderelbe gefüllt hat und auch die Stromelbe voll ist, können sich die Gräben nicht mehr in die Alte Süderelbe entwässern, weil da nichts mehr reinpasst. Also laufen die Gräben voll. Wenn aber die Gräben volllaufen, läuft auch Finkenwerder voll – im Norden wie im Süden.

Dass das keine Spökenkiekerei sondern Tatsache ist, zeigt die neueste Prognose, die der Weltklimarat zum Anstieg des Meeresspiegels bis zum Jahr 2100 präsentiert hat. In der Prognose werden unter anderem Extremereignisse unter die Lupe genommen. Zumindest in diesem Jahrhundert wird demnach nicht der durchschnittliche Pegel das Problem sein, sondern Fluten und Stürme. Denn mit den steigenden Meeren werden Sturmfluten höher an den Küsten anbranden. Die Autoren des Berichts sind sich sehr sicher, dass mit dem Anstieg der Pegel auch „die Häufigkeit extremer Wasserstände an den meisten Orten steigen“ wird. Was vormals eine Jahrhundertflut war, werde künftig jährlich vorkommen.

Selbst Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) macht sich bereits Sorgen um Hamburgs Deiche und Flutschutzbollwerke: »Was bisher als Jahrhundert-Sturmflut galt, wird uns bald viel häufiger ereilen.«

Da fragt sich, welche Bollwerke an der Alten Süderelbe wohl gebaut werden sollen, um – zumindest bei Planungen, die einen vollen Tidenhub beinhalten – vor Jahrhundert-Sturmfluten zu schützen. Ob diese Bauten mit der Idee des Naturschutzes in der Region zusammenpassen, ist dann noch einmal ein ganz anderes Thema.

Wir jedenfalls bleiben dabei: Die Öffnung der Alten Süderelbe bei vollem Tidenhub ist weder eine Option für die Alte Süderelbe noch für die ökologische Verbesserung der Stromelbe.

Wer sich zu den Prognosen des Weltklimarates schlauer machen möchte, dem sei der folgende Artikel in der „Zeit“ empfohlen, in dem auch weiterführende Links zu finden sind.